„Unser Profil zeigen zu können, ist bei uns zu kurz gekommen,“ sagt eine alte Dame aus Chemnitz.

Ihren Followern verunmöglichen autoritäre Systeme und Strukturen wie die DDR Profilbildung. Manche Menschen gewinnen in ihrem Widerstand gegen sie Profil. Sie sind meist gefürchtet, man will ihre Anmerkungen und Infragestellungen nicht gelten lassen. Sie sind seltene Inspirationen.

vgl. Stefan Wolle: Die heile Welt der Diktatur: Alltag und Herrschaft in der DDR 1971–1989 – insbesondere das Kapitel „Diktatur der Liebe“, das auf Dostojewskis kurzer kirchenkritischer Erzählung „der Großinquisitor“ basiert. Darin fleht ein Großinquisitor Jesus an, nur nicht wieder mit seinem Plädoyer für Freiheit zu kommen, das belaste die Menschen zu sehr; sie wünschten sich die Fürsorge der Autoritäten; aus Liebe habe sich die Kirche entschieden, ihnen das zu gewähren. Der Historiker Wolle analysiert im Detail, wie Erfüllung und Sehnsucht nach Fürsorge der Autoritäten nach seinen Beobachtungen Phänomenen in der DDR entsprachen.

Vgl. Rainer Maria Rilke, letzte Strophe von „der Schauende“:

Wen dieser Engel überwand,
welcher so oft auf Kampf verzichtet,
der geht gerecht und aufgerichtet
und groß aus jener harten Hand,
die sich, wie formend, an ihn schmiegte.
Die Siege laden ihn nicht ein.
Sein Wachstum ist: der Tiefbesiegte
von immer Größerem zu sein.

Wagen Sie mit uns Profil! Es ist eine Frage von Courage, keine Frage, die Auseinandersetzung mit sich und der Gesellschaft fordert heraus, aber genau das macht letztlich den Genuss aus.