Was man vom langweiligsten aller langweiligen Dichter lernen kann.

Zu Jahresbeginn begegnet uns Adalbert Stifter, Heribert Prantl sei Dank. Es ist Stifters 150. Todesjahr. Stifter lesen ist ein Indiz. Wer zu Nazi-Zeiten Adalbert Stifter las, "konnte unmöglich Nazi sein", sagt uns eine alte Dame aus dem Freundeskreis der Weißen Rose. Vor 75 Jahren wurde der Kern der Gruppe hingerichtet. (Die Dame ließ uns ihren Dolch aus ihrem Schmuckkästchen, falls sich Gelegenheit für einen not-wendigen Tyrannenmord böte; sie trug ihn bis 1945 stets bei sich.)

Offenheit herzustellen, die Vielfalt an Möglichkeiten aufrecht zu erhalten und kulturelle Teilhabe in der Breite der Gesellschaft zu ermöglichen sind zentrale Elemente des reformerischen Anspruchs der Soziokultur. Diesem kann jedoch kaum entsprochen werden in einem Sozialraum, in dem die offenen Orte fehlen -. Orte zum gemeinsamen Ausprobieren, Kultur Schaffen und sich Austauschen. Viele soziokulturelle Räume kämpfen gegen Verdrängung, neue zu etablieren fällt nie leicht.

Wir alle leben über unsere Verhältnisse. Wir verbrauchen zu viele Ressourcen, emittieren zu viele Klimagase, produzieren zu viel Müll. Wir müssen schnell handeln, und viel, um den globalen ökologischen Kollaps zu vermeiden. Wie das gehen soll? Können wir nur im Experiment, im Reallabor herausfinden. Städte bergen vielseitiges Potential, ihre Versorgungsstrukturen und Kulturen rechtzeitig und radikal zu transformieren -, sofern denn die entscheidenden Erfahrungen irgendwo gemacht werden können.

Kunst und Kreativwirtschaft sind nicht nur im monetären Sinne wertschöpfend. Ihr Wert wandert in anderen Sektoren: Sie stärken das Innovationspotential einer Gesellschaft, sie fördern mit ihrer Präsenz die Stadtentwicklung und nicht zuletzt auch das Lebensgefühl der Bürger, weil sie die aktive Beteiligung am sozialen Leben gestalten und fördern.
Der Mehrwert dieses Sektors liegt also nicht nur in seinem wirtschaftlichen Potential, sondern in seiner Eigenschaft als kulturelles Substrat für die soziale Entwicklung und die soziale Kohäsion in den europäischen Ländern.

Verbündete gibt es - immer wieder, überall, überraschend.