Ich denke über den Satz eines Freundes nach, der sagte: »Die Zeiten sind unsicher, doch wir zweifeln zu wenig.«
Im Irrsinnsweltwirbeln und Strudeln suchen wir Halt. Blöd nur, wenn wir dann versteifen und nach Sicherheit als »Abgesichert-Sein« streben, was wo wie soll das sein?
Das merkt man auch im Körper: Du suchst Halt und wirst fest, knirschst mit dem Kiefer, verkrampfst im Nacken, Schultern.
Was stattdessen? Mir fallen drei Aspekte ein:
(1) Statt Absichern wollen Verlässlichkeit finden. Tolles Doppelwort, dieses »Verlassen«. Sich verlassen, um bei sich anzukommen sozusagen. Auf den eigenen Körper bauen, die Füße am Boden, den Atem. Und auf die Anderen. Das nennen wir dann Vertrauen. Auch Vertrauen darauf, dass es enttäuscht werden kann. Daher bezieht das Vertrauen schließlich seinen Wert.
Oder so: Ohne die Möglichkeit zu stolpern, ergibt Laufen keinen Sinn. Wir sind eben nicht fähig zu laufen, damit wir schnell irgendwo ankommen, sondern um das Stolpern herauszufordern.
Also auch:
(2) Fehlerfreude. Du bist nicht souverän und wirst nicht sicher(er) dadurch, weil du alles weißt, durchgeplant und »unter Kontrolle« hast – das muss scheitern und wirkt wahlweise arrogant oder verzweifelt – sondern du wirst sicher, wenn du die Fehler, die du machen wirst, neugierig anguckst. Mit Präzision (scharf) und Milde (sanft).
(3) Alleine schaffe ich es nur im Team. Souverän kann ich nicht als Einzelmensch sein, brauche das PingPong mit anderen. Erst, wenn ich bewegt werde, kann ich Standfestigkeit entwickeln. Und umgekehrt auch: die anderen sehen, anerkennen, herausfordern.
Was wäre noch souverän?