Bildung kommt von Bild, nicht von Buch, sonst sprächen wir von Buchung, Buchhaltern und Bücherwürmern - und das wär´s. Sie lachen? Ist PISA etwas anderes als Buchhaltung? P steht für programme. Da wissen wir doch Bescheid. Dazu gibt es eine Doku von 2013. Im selben Jahr wurde sie in der ARD in knapp 8 Minuten vorgestellt - voila!

Seit 20 Jahren arbeiten deutsche Bildungsentwürfe und Standardisierungen als Programm für ökonomische Interessen: mit PISA (Programme for International Student Assessment) hat die OECD ein neues, an einer ökonomischen Fiktion orientiertes Bildungskonzept durchgesetzt. Unterricht ist ausgerichtet als Training für Tests, Prüfungen, Rankings, als pädagogischer Hundert-Meter-Lauf für alle. „Gebildet“ werden ökonomische, mechanistische, digitale Vorstellungen - sie

- denken fast ausschließlich binär, kennen wenig außer ja oder nein,

- fordern, ökonomische Erwartungen zu bedienen

- setzen Sollen vor Wollen,

- arbeiten mit hohen Erfolgsversprechen, Belohnungs- und Bedrohungsszenarien,

- schüren Überlegenheitsgefühle und zwischenmenschliche Dauerwettbewerbe,

- erklären Jugendliche zu output-orientierte Produzenten von Leistung und nach den Standards der Ökonomie angeblich disfunktionale Menschen zum Problem.

Die Folgen: Freudlosigkeit, Gestaltungsarmut, Entpolitisierung, Krankheiten, Verachtung. Wenn auch noch Zuneigung und Liebe funktionalisiert wird, unsere Vorstellungen davon von den Wahrnehmungen einer sexualisierten Gesellschaft geprägt sind, dann stürzen wir in die Kulturlosigkeit. Haben wir eine Schwäche für Uniformität, Funktionalität und Maschinerie?

Gestern haben wir ein Kind bekommen. Ein Flow, ein Moment von Ewigkeit. Im Angesicht des Neugeborenen ist keine Frage, dass man Leben à la PISA nicht buchstabieren kann. Ist PISA kinderlos?