Wenn E, Ingenieur, seine Arbeit vorstellen soll, wird seine Stimme dünn, fast klingt er heiser. Schultern und Arme sind wie festgefroren, die Hände suchen Halt an der Hose oder krallen sich in die Luft.
Ziehen wir die Schuhe aus? Im Konferenzraum mutet das fremd an, es unterbricht die Routine. Wer gönnt sich im Alltag den Moment, der eigenen Bodenhaftung nachzuspüren? Was ist das für ein Boden? Wo stehe ich hier? Wie stehen die Füße, klemmt’s in den Knien? Was machen die Hände? Hängen die Schultern oder stehen sie im Weg rum?
Selbstbewusstes Sprechen kommt aus einem (sich selbst-) bewussten Körper. Wie strömt die Luft beim Atmen in mich ein und aus? Eigener Ausdruck heißt auch: Sich kennen (lernen, immer wieder neu) und entscheiden: Was mag ich, was möchte ich … so lassen oder ändern? Den eigenen Ausdruck finden (wie bin ich?) und erweitern (wie könnte ich noch?).
Ernst Jandl ruft uns zu: »ein schöner tag«.
Wir rufen zurück. Wir sagen es den Topfpflanzen. Wir sagen es den Stühlen, der Lampe und den Akten im Schrank. Wir sagen es als Geheimnis, wir sagen es als Bonbon. Wir sagen es als Begrüßung, wir sagen es als Widerspruch. Wir werfen es auf die Straße und schleudern es durch die Luft. Wir wundern uns, was wir sagen. E. sagt »ein entspannter Tag«.
Und wenn ich aber nun mal schief bin?
Verklemmt, verspannt, verdruckst, gehemmt? Das Geradebiegen persönlicher Verdrehtheiten – nein, das wollen wir nicht. Aufrecht zu diesen Schieflagen stehen, mit ihnen umgehen, über sie lachen, mit ihnen spielen können: ja, darin liegt der Genuss. Nicht in blinder Selbstverliebtheit, aber mit ansteckender Selbstfröhlichkeit.
Die Atmosphäre ist ruhig. E. lässt sich ein, ist konzentriert. Wir arbeiten. Drei Trainingseinheiten sind vorbei, drei weitere noch geplant. Bald müssen wir einmal über die Stränge schlagen.
Die Kühe haben eine Hüpfburg aufgestellt, schon schlüpfen sie aus den Schuhen. Wie? Was? Was kommt als nächstes? E. breitet die Arme aus.