Manchmal, gerade im Urlaub, beglückt es mich, etwas zu lesen, was ich nur und flatternden Herzens unterstreichen möchte. Was ich bei Daniela Dröschers »Sprechen« dann auch bei jedem zweiten Satz mache.
Sie schreibt von der Zerbrechlichkeit der Sprache und ihrer Gefährlichkeit. Ihrer Macht, zu verletzen wie zu bezaubern. »Auch deshalb habe ich wohl gleich mehrere Male in meinem Leben fast vollständig aufgehört zu sprechen.« Um dann wieder und wieder neu zu neuer Sprache zu finden.
Sie schreibt vom Missverständnis nicht als Problem, Bremse, Lästigkeit des Sprechens, sondern geradezu als seiner Bedingung: »als Ausdruck von Lebendigkeit (…) als Symptom einer produktiven Überforderung«. Wo wir uns sofort verstehen – so glänzend das auch sein kann –, gibt es keinen Anlass zur Verständigung und also kein Gespräch.
»Hilfreich scheint mir das Zugeständnis an die Rätselhaftigkeit des anderen, und auch an die eigene Unergründlichkeit.« Und: »Wenn wir zugleich großzügiger und präziser wären, könnten wir uns beherzter den Inhalten zuwenden.« Wobei der wesentlichste »Inhalt« natürlich das Gegenüber und unser Miteinander ist.
Großzügiger und präziser – das trifft, lässig und ziemlich genau, hach!, was wir mit unseren »Profil durch Sprache«-Übungen üben.
Weil es beim Sprechen letztlich »um den aufrichtigen Versuch« gehen soll-toll-te, »eine wie auch immer geartete Verbindung herzustellen.« Also sich gegenseitig ein winzigbisschen bis zu vollumwerfend zu verändern.
„Erst als ich anfing, mir das Innehalten und Nachfragen, Fehler und Ungeschicklichkeiten zuzugestehen, war ich in der Lage, für mich selbst und das, was ich denke, einzustehen. Indem ich entschied, dass das In-Verbindung-Treten mit anderen wichtiger ist als die Perfektion des Gesagten. In dieser Bereitschaft gründet die Geburt meiner Stimme.«
Das wäre uns echt allen zu gönnen. Meeresfrische Empfehlung.