Mit einem Politiker arbeite ich an seinem Auftreten, seinem Sprechen, seiner Präsenz, seiner Ausdruckskraft, seiner-- nein, nein, aber nein. An all dem arbeiten wir nur nebenbei.

𝘌𝘪𝘨𝘦𝘯𝘵𝘭𝘪𝘤𝘩 bespielen wir den 𝗣𝗲𝗿𝗳𝗲𝗸𝘁𝗶𝗼𝗻𝘀𝗱𝗿𝗮𝗻𝗴, der ihn blockiert, 𝘦𝘪𝘨𝘦𝘯𝘵𝘭𝘪𝘤𝘩 arbeiten wir am Zulassen von vermeintlichen Fehlern, am Zeigen von Schwächen und am Genau-damit-Souverän-Bleiben.

𝘌𝘪𝘨𝘦𝘯𝘵𝘭𝘪𝘤𝘩 arbeiten wir an seiner 𝗠𝗲𝗻𝘀𝗰𝗵𝗹𝗶𝗰𝗵𝗸𝗲𝗶𝘁.

Dafür gehe ich gern widersprüchlich vor: Mach es mal absichtlich falsch, so falsch wie es in deinem Albtraum falsch läuft. Übertreibe! Jedes Wort vernuschelt, viel zu schnell, zu schlaff oder überspannt, jeder Satz fängt dreimal an und hört kein mal auf.

Weil das Spaß macht und der Druck rauszischt.

Natürlich ist es wünschenswert, an sich selbst, an Körperhaltung, Artikulation, Stimmvolumen, Klarheit usw. zu üben. Schwächen sind kein Ruhekissen.

Doch entscheidender als ein versssstls „th“ im Anglizismus ist: 𝗕𝗶𝘀𝘁 𝗱𝘂 𝗳𝗿𝗲𝘂𝗻𝗱𝗹𝗶𝗰𝗵-𝘇𝘂𝗴𝗲𝘄𝗮𝗻𝗱𝘁 (und sieht man dir das auch an), hast du Bock auf das, wofür du da bist (und sieht man dir das auch an)? 𝗠𝗮𝗰𝗵𝘀𝘁 𝗱𝘂 𝗠𝗲𝗻𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗲𝗶𝗻 𝗴𝘂𝘁𝗲𝘀 𝗚𝗲𝗳𝘂𝗵𝗹 und bringst Energie rein?

Also staune ich immer wieder, dass der Großteil meiner Arbeit gar nicht darin besteht, jemandem bei deutlicherer Artikulation oder überzeugenderer Gestik zu helfen, sondern von der Überzeugung loszulockern, 𝘫𝘦𝘥𝘦𝘴 Wort müsse 𝘪𝘮𝘮𝘦𝘳 haarfein artikuliert sein, 𝘫𝘦𝘥𝘦 Geste 𝘪𝘮𝘮𝘦𝘳 sitzen.

𝗦𝗼 𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗳𝗲𝗵𝗹𝗲𝗿𝗳𝗿𝗲𝘂𝗻𝗱𝗹𝗶𝗰𝗵𝗲 𝗛𝗮𝗹𝘁𝘂𝗻𝗴 in der Politik und medialen Öffentlichkeit umsetzen und damit erfolgreich sein zu wollen, scheint mir dabei selbst schon 𝘇𝗶𝗲𝗺𝗹𝗶𝗰𝗵 𝗽𝗼𝗹𝗶𝘁𝗶𝘀𝗰𝗵. Und wichtig.